die letzten stunden

Alle denken,
meine Familie denkt,
es sei ein Irrtum
es sei ein Zufall

Aber ich weiß,
dass all dies weder ein Irrturm
noch ein Zufall ist.

All dies ist meinetwegen geschehen.

...

Ich wollte es ihnen
während des Abendessens erzählen.
Ich wollte es endlich alles sagen können
mich von alldem befreien

Ich wusste nicht,
dass du sterben würdest,
der Tot schien sich weit entfernt
von dir aufzuhalten
der Tot scheint immer weit entfernt
von den Lebenden zu sein.

Dieses Haus und seine Geheimnisse
Dieses Leben und seine Geheimnisse
Mein Herz und mein Blick
Begraben unter so vielen Geheimnissen...

Die Wände stürzen
über meine Schulter herein
Ich kann nicht vorwärts
Ich kann mich nicht halten

Es kann nicht sein,
dass ich heute sterben werden muss.
Ich kann nicht sterben
Ich kann noch nicht sterben
noch nicht...

Die Angst erblindet meine Augen
Meine Hände zittern
Das Gefühl von Übelkeit lässt mich nicht los

und ich weiß nicht
warum ich es getan habe
wenn ich es getan habe
vielleicht war es nichts weiter als ein Alptraum

...

Und es sind meine Söhne
die meine Schuld und die Schande
erben werden
wie ich den Tod
geerbt habe.

Alles erscheint neblig,
verschwommen
Ich kann nicht vorwärts

Dein Blut
Dein Tod
Mein Verzicht

...

Ich kam nach Hause
wie jeden Tag
obwohl an diesem Tag
nichts war
wie jeden Tag

Ich schloss die Eingangstür hinter mir
und versuchte
dich draußen zu lassen
wie ich es jeden Tag getan habe

Aber an dem Tag
habe ich dich ohne zu wollen mit hinein geschleppt
Ich versuchte durch die Gänge vor dir zu entfliehen
Aber da warst du noch
in mir drin
es gab keinen weg
um dich
deine Augen von mir rauszukriegen
ab dem Moment
sah ich den Tod durch deine Augen

Die Angst hemmt mich
Ich spüre meine Beine nicht mehr
Ich stürze
Ich falle, falle in die Leere
Ja! ich falle falle falle
Ich höre nicht auf zu fallen
Meine Füße finden kein Ende
Mein Körper findet keinen Tod
Aber ich muss wissen
Ich werde bald sterben
Dies, dies sind meine letzten Augenblicke
Meine letzten Stunden

Ich muss wach bleiben
Ich muss meinen Kopf klar halten.

Und es sind ihre Schatten
Diejenige, die mich überwachen.
Sie wollen sicher sein,
dass ich dieses Mal nicht fliehen werde
dass ich mich dieses Mal nicht
von den Folgen befreien kann.

So zahlreich sind die Erinnerungen
Die meinen Kopf überfallen
Wie ein Regen aus Schüssen
Mit einem Schlag.

Jeder Schlag schmerzt
Weil jede Erinnerung schmerzt.

Wo sind die ganzen Menschen
Von so vielen Erinnerungen gegangen?
Die meisten haben sich in der Zeit verloren.

...

Und ich muss wissen,
dass ich verflucht bin
schon ehe ich geboren wurde
Denn diesen Fluch
Habe ich von meinem Vater geerbt.

Was kann man mit einem Leben anfangen
Das als es zum ersten Mal das Licht sah
Schon verflucht gewesen ist.

Deine Schatten
umstellen mich
Sie drücken mich nieder
Sie überfallen mich
Sie überwachen mich
Sie verdammen mich
Sie verurteilen mich
Zu einem frühen Tod,
Der in Wahrheit zu spät zu kommen scheint.

Es gibt kein Zurück mehr
Es ist alles schon verloren
Und es gibt nichts, das ich machen kann
Um das Geschehene zu löschen
In Wahrheit bin ich es,
Der deinen Tod gesät hat
Nur um den meinen zu ernten.

...

Jeden Tag eine neue Lüge
Ich habe gelogen, Tag für Tag gelogen
Nein, ich kann nicht sagen
Ich habe gelogen
Denn ich glaubte an alles was ich sagte.

Diese ganze Geschichte
Konnte nicht wahr sein
Es war als geschähe sie einem anderen
Einem anderen Mann
Nicht mir, nein
Nein

...

Sie will sich selbst nicht helfen
Sie vergiftet sich mit ihrem eigenen Groll
Der kein Ende kennt

Als ich eintrat
Sah ich nur Blut
Blut überall
Das ganze Zimmer
Bedeckt mit deinem Blut.

Dort lagst du
Bewusstlos
Ich konnte mich dir
Nicht nähern
Ich konnte keine Hilfe
holen
Ich lass dich hinter mir
Wie ich es immer tat
Schließe die Tür
Wissend, dass Wochen
Vergehen würden
Ehe dich jemand fände.

...
Ich dachte an den Tag,
als ich dich zum ersten Mal traf
an dem ich dich
und das Zeichen
dass du auf deiner Stirn trugst
wiedererkannt habe.
Das war vor zwölf Jahren

Irgendwann ist das Zeichen
Verschwunden
Verschwunden wie meine Liebe zu dir
Verschwand

...

Und jetzt schwimmst du in deinem Blut.

...

Niemand weiƟ wie unmöglich es ist
Dieses Leben weiter zu führen.

...

Die Wände stürzen
Sie fallen auf meine Schultern
Dort auf meinen Schultern haben sie immer geruht
Aber heute sind die Kräfte erloschen
Heute bin ich erloschen
Heute hat mich meine letzten Kräfte gekostet.

...

Diese nun leeren Zimmer
Diese Zimmer, die ich selber errichtet habe
Heute stürzen sie
Stürzen über mich

All diese Arbeit
All diese Mühe
Für nichts
Mir bleibt niemand
Mir bleibt nichts.